Die

Highscreen Handy Organizer

Grabbelkiste

Inhalt:
 
Einleitung
Er ist nicht neu. Er ist nicht schön. Eigentlich braucht man ihn gar nicht. Er passt auch nicht in meine Jackentasche, wie der Hersteller tönt. Schließlich trage ich keinen Trenchcoat der Größe XXL.
Sein Prozessor, ein Intel 8086-Nachbau, findet sonst nur noch in Waschmaschinen Verwendung. Sein Display ist nur wenig augenfreundlicher als das Betrachten von Dias gegen den dunstigen Großstadt-Vollmond.
Dennoch hat der Handy Organizer etwas, das viele andere nicht haben: er ist ein echter Miniatur-PC mit einer Tastatur und einem richtigen DOS. Das macht ihn unendlich vielseitig.
Und zu einem Kultobjekt. Schade, dass er nicht auch noch schlagfest und wasserdicht ist.

Power-Management
Der HO ist ein ordentlicher Elektronenfresser. Selbst teure Alkalizellen halten nur wenige Stunden durch. Da empfiehlt sich (entgegen dem Handbuch) der Einsatz von wiederaufladbaren Batterien.
Beim Kauf von Akkus sollte man nicht zu geizig sein, denn je geringer die Kapazität der selbigen, desto häufiger muss man sie nachladen und desto mehr Ersatzakkus muss man "draußen" mit sich herumschleppen.
Alle reden vom Energiesparen und keiner tut es, weil der persönliche Nutzen meist kaum erkennbar ist. Beim Handy Organizer jedoch zahlt sich Knauserdisziplin in Form von drastisch erhöhten Laufzeiten pro Akkupaar aus. So spart man merklich Strom:
  • Die CPU kann wahlweise mit 4.77 oder 7.15 MHz (wow!) betrieben werden. Für die allermeisten Anwendungen genügt meiner Erfahrung nach der niedrige (8086-Original-) Takt. Das Umschalten der Taktfrequenz erfolgt durch Eingabe des Befehls spdsw ("speedswitch") am DOS-Prompt.
  • Die serielle Schnittstelle sollte man nur aktivieren, wenn man sie wirklich benötigt, d.h. während der Datenübertragung an den Heim-PC. Leider ist das Ein- und Ausschalten über das Konfigurationsmenü der RacePen-Oberfläche ziemlich umständlich. Abhilfe schafft hier das winzige Programm setcom.com von H.J.Schittke, das sich neben vielen anderen Tools und Informationen zum HO unter http://www.palmzip.de/palmzip/highscr.htm findet. Damit kann man die Datenübertragung leicht über ein Batch-File steuern, z.B.

    setcom on
    intersvr
    setcom off

Wenn man diese beiden Regeln beherzigt, kommt man mit zwei 800mAh-Akkus leicht zwei Stunden aus.
Vorsicht: sobald die Meldung Hauptbatterie schwach erscheint, sollte man die Akkus gegen frische austauschen, da sie jeden Moment schlapp machen können. Danach entlädt sich bald die Knopfzelle und die Daten auf der Ramdisk verschwinden ins Nirvana! Auch sollte man den HO nicht mehrere Wochen mit angenagten Akkus in der Ecke verstauben lassen, da das Gerät auch im Standby-Modus Strom verbraucht und sich Akkus mit der Zeit von selbst entladen. Besser an den Netzadapter anschließen oder - wenn man die Kiste schon nicht braucht - lieber gleich die teure Knopfzelle entfernen.

Konfiguration
Nach einem Neustart des Rechners wertet das DOS die beiden Dateien config.sys und autoexec.bat aus. Sie sind fest auf dem ROM-Laufwerk c: installiert und können nicht geändert werden.
Für den Benutzer besteht jedoch immerhin die Möglichkeit, zusätzlich eigene Startdateien gleichen Namens im Wurzelverzeichnis des RAM-Laufwerkes e: anzulegen, um seinerseits Treiber zu laden, Umgebungsvariablen zu setzen usw.
Die Startdateien werden in folgender Reihenfolge abgearbeitet:

c:\config.sys
e:\config.sys (falls vorhanden)
c:\autoexec.bat
e:\autoexec.bat (falls vorhanden)

Das Vorhandensein einer eigenen autoexec.bat verhindert zudem, dass nach einem Reset automatisch das (oft nervige) RacePen-Menü aufgerufen wird.
Bemerkung: ein Hardware-Reset durch Antippen des kleinen Schalters unterhalb der ON/OFF- Taste führt nicht zu einer Löschung des RAM-Disk-Inhaltes, wie im Handbuch behauptet wird.

Speicher
Einen Schwachpunkt des Handy Organizers stellt die Speicherausstattung dar. Zwar ist der Hauptspeicher mit 640kB vollkommen ausreichend, dafür steht zur "permanenten" Datenspeicherung nur eine flüchtige und vergleichsweise winzige RAM-Disk mit 360kB zur Verfügung, das ist gerade mal 1/4 der Kapazität einer 3.5"-Diskette!
Die RAM-Disk ist vom Hersteller offenbar nur zum Sichern von Word-Briefchen und RacePen-Adressenkarteien konzipiert worden und nicht zum Ablegen "fremder" Programme.
Wer mehr Platz benötigt, muss sich entweder teure Memory-Karten anschaffen oder (wieder mal das Eichel-Motto:) sparen, sparen, sparen.
Das fängt beim Programmieren an: möglichst wenig Schnickschnack in das Programm einfügen und die Compileroptionen so wählen, dass die Größe der .exe- oder .com-Datei minimal wird. Bei einer Clustergröße der RAM-Disk von 512 Byte kann jedes gesparte Byte wichtig sein.

Weiterhin lohnt sich die Verwendung von Packprogrammen. Besonders empfehlen kann ich das Programm aPack von Joergen Ibsen, das auf der aPack Downloadsite
frei erhältlich ist. APack ist Greetware, soll wohl heißen, es ist kostenlos für den nichtkommerziellen Gebrauch. Der Autor möchte aber gerne bei jeder Gelegenheit gegrüßt werden, was ich hiermit tue: dau Joergen, gammel Dansk!
Das Programm reduziert die Größe von ausführbaren Dateien signifikant, bei meinen Borland C++ Kompilaten beispielsweise auf nur noch ca. 40% der Originalgröße! APack wird nur zum Verpacken benötigt, das Entpacken besorgt ein kleiner Dateiheader. Dafür dauert dann der Start eines Programmes etwas länger als gewohnt, was man gut verschmerzen kann.
Weitere Packprogramme, jede Menge nützlicher Tools und Informationen finden sich auf der Site von Frank Steinberg

Sollte das alles immer noch nicht reichen, besteht zudem die Möglichkeit, einen Teil des Hauptspeichers als RAM-Disk zu verwenden. Das Programm Ramdisk eines unbekannten Programmierers besteht aus 2 Dateien:
ramdisk.sys - wird in die eigene config.sys eingebunden
ramdisk.com - erzeugt ein RAM-Laufwerk f: der angegebenen Größe
Die Größe des neuen virtuellen Laufwerkes f: kann jederzeit ohne Neustart geändert werden (auch auf Null). Der Nachteil dieser Methode: beim Booten gehen alle Daten auf f: unwiderruflich verloren!

Datenaustausch
Irgendwie müssen die Programme vom heimischen PC auf den Handy Organizer übertragen werden. Umgekehrt möchte man wichtige Daten, die sich auf der RAM-Disk des HO ansammeln, aus Sicherheitsgründen hier und da auf dem PC ablegen. Das Handbuch erklärt ausführlich den Datentransfer mittels der DOS-Programme interlnk und intersvr. Das funktioniert unter einem reinen DOS auch prima, nicht aber unter Windows 9x!
Dort verwendet man besser ein externes Terminalprogramm, wie z.B. File Maven von Kent Briggs. Die Freeware-Version 3.5a kann man sich auf der Page von Briggsoft herunterladen. File Maven kommt in mehreren Files daher, von denen man nur fmhost.exe auf dem Handy Organizer benötigt. Mit aPack komprimiert belegt es dort gerade mal 16kB. Gestartet wird es mit mehreren Parametern, je nach Verbindungstyp (seriell oder parallel), Übertragungsgeschwindigkeit usw. Man bastelt sich am besten eine eigene Batch-Datei, die für serielle Übertragung z.B. so aussehen könnte:

setcom on
fmhost 1 1 1
setcom off

Das Programm setcom wurde bereits oben im Abschnitt Power Management besprochen.
Das Pendant zu fmhost.exe auf dem PC heißt fm3.exe und startet einen komfortablen, menügesteuerten Filemanager, der leicht zu bedienen ist und wie ein FTP-Programm funktioniert. Nach erfolgter Verbindung kann man seine Dateien beliebig zwischen dem PC-Fenster und HO-Fenster hin- und herschieben. Kleiner Wermutstropfen: die Tastaturbelegung von File Maven ist nicht kompatibel zum heiligsten aller DOS-Manager, dem Norton Commander (STRG-C statt F5, naja...).

Meine Software
Damit diese ganze Konfiguriererei und Kopiererei nicht zum Selbstzweck verkommt, braucht man Programme, die auf dem Handy Organizer laufen und irgendeinen Zweck erfüllen. Da Software für 8086-Prozessoren und CGA-Karten heutzutage kaum noch auffindbar ist, schreibt man sich diese nach Möglichkeit selbst. Effizienz in Laufzeit und Dateigröße zu erreichen, ist dabei eine richtige Herausforderung.
Ich habe einige Programme für den HO entwickelt, die ich hier der Öffentlichkeit zugänglich machen möchte. Sie haben alle eines gemeinsam: sie folgen dem Minimalprinzip. Benutzerfreundlichkeit und hochauflösende Grafiken a la Windows sind auf dem Handy Organizer Illusion. So laufen selbst meine Spiele nur im Textmodus ab, was auf dem großen PC erbärmlich, auf dem kleinen HO-Display aber irgendwie ganz niedlich aussieht. Alle Programme wurden mit dem C++ 3.1-Compiler von Borland erstellt und bereits mittels aPack auf minimale Größe gebracht. Dau Joergen, gammel Dansk!

Cobra
Download Archiv cobra.zip 11736 bytes
Das klassische "Schlange muss fressen, wird immer länger und darf nirgendwo gegenstoßen"- Spiel. 8 Level, nur für Konzentrationskoryphäen geeignet. Screenshot.
 
Pacman
Download Archiv pacman.zip 11854 bytes
Da braucht es keinen Kommentar...unendlich viele Levels...bis der Doktor kommt... Screenshot.
 
Klotris
Download Archiv klotris.exe 10989 bytes
Neu!!! Der 11k Tetris Klon verwandelt den HO in einen Gameboy. Screenshot.
 
Vox
Download Archiv vox.zip 16653 bytes
Vorsicht Bildung! Vox ist ein fast schon komfortabler Vokabeltrainer. Zu jeder Vokabel können bis zu 6 deutsche Bedeutungen eingegeben werden. Abfrage wahlweise per Multiple Choice oder Direkteingabe, wobei der schlaue Algorithmus auch kleinere Flechtigkeitsfühler verzeiht. Mit Statistiken. Macht Spaß und motiviert. Kann nicht mehr ohne. Screenshot.
 
Orgel
Download Archiv orgel.exe 6852 bytes
Darauf hat die Welt nicht unbedingt sehnsüchtig gewartet. Mit der 3 Oktaven umfassenden Pieps-Orgel kann man den Mobiltelefon-Heinis im Stadtpark Paroli bieten. Ole, wir fahr'n in Puff nach Barcelona...
 
Show
Download Archiv show.exe 8102 bytes
Ein echter kleiner Viewer für monochrome *.bmp- Dateien (2 Farben, max. 640x200 Pixel).
 
wird fortgesetzt...

Links
Nach naivem Eintippen der Stichworte "Highscreen Handy Organizer" spuckte mir die Suchmaschine MetaGer nur zwei brauchbare URLs aus:

Frank Steinberg präsentiert auf seinen Seiten neben vielen Infos zum HO auch eine Liste von Tools, von denen ich hier nur wenige besprochen habe. Die Auswahl reicht vom kleinen TSR-Killer bishin zu einem ausgewachsenen Dateimanager a la Norton Commander.
Das Schwerpunktthema der Seiten ist allgemein das Messen und Steuern mit alten PCs.

Hinter der Adresse http://www.palmzip.de verbirgt sich ein Versandhandel für Computerzubehör. Dort kann man beispielsweise die ominösen (und ziemlich teuren) Speicherkarten für den Handy Organizer beziehen.
Im Unterverzeichnis http://www.palmzip.de/palmzip/highscr.htm findet man die erwähnten Tools von H.J.Schittke (Ausschalten des Comports u.ä.).

Nachwort
Danke an meinen Vater und die glorreiche taiwanische Industrie für dieses wirklich tolle Teil.

Homepage

© Stefan Maday 11.6.2003